Home arrow News arrow Colombia arrow Töten für einen Urlaubstag
Paz Colombia - El Único Camino
 
 
Main Menu
Home
News
Über diese Seite
Hintergrund
Comunicaciones
Galerie
Kontakt
Links
Site Map
Newsfeed
BBC Americas
Reuters Int'l
Languages
Newsflash
In einem Aufruf an die Öffentlichkeit bitten die Völker Embera, Katio, Chamí, Wounaan und Tule des Departments Chocó um Unterstützung. Die Rechte der indigenen Bevölkerung werden seit Jahren und immer massiver verletzt und bedroht. Weitere Information in Spanisch auf der Seite des Netzwerks für Menschenrechte
Töten für einen Urlaubstag PDF Print E-mail
Written by Zeit Online   
18 Jan 2010
Aus der Zeit Online (http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-01/Kolumbien)

Gelassen, geradezu unbeteiligt verfolgten die 17 Soldaten Ende vergangener Woche die Verhandlung im Gerichtssaal: Sie wissen, viel wird ihnen an diesem Tag nicht passieren, obwohl die Vorwürfe gegen die Angehörigen der kolumbianischen Armee ungeheuerlich sind. Nach ein paar Minuten verkündete der Richter seinen Spruch: Die des gemeinschaftlichen und vorsätzlichen Mordes verdächtigten Männer können das Gerichtsgebäude vorerst als freie Männer verlassen.

Der zugrunde liegende Vorfall, der Medien und Menschen in Kolumbien beschäftigt und die Justiz erschütterte, ist der vorläufige Höhepunkt einer an Menschenverachtung kaum zu überbietenden Geschichte: Drei Jugendliche aus der bettelarmen Ortschaft Soacha unweit der Hauptstadt Bogotá waren im August 2008 dem Angebot eines Unbekannten gefolgt, der ihnen Arbeit in einem anderen Teil des Landes versprach.


Doch nur wenige Tage später wurden die drei ermordet in der nordöstlichen Provinz Norte de Santander aufgefunden. Was die Staatsanwaltschaft dann herausfand, sorgte in Kolumbien für ein politisches Erdbeben: Die 17 verdächtigten Militärs sollen die drei Ermordeten gemeinsam verschleppt, in eine Rebellenuniform gesteckt und dann umgebracht haben. Ziel war es, sie anschließend als angebliche Angehörige der marxistischen Rebellenorganisation Farc zu präsentieren.

Seit über 40 Jahren befindet sich der kolumbianische Staat im Krieg mit der Farc, die ihren Kampf gegen die Armee mit der Erpressung von Lösegeldern aus Entführungen und dem Drogenhandel finanziert. Erst vor Kurzem entführten die Rebellen einen lokalen Gouverneur, um ihn anschließend zu enthaupten. Beide Seiten gehen in dem Bürgerkrieg mit äußerster Brutalität vor, ein Krieg, den Politiker wie Diplomaten gerne als "bewaffneten Konflikt" verharmlosen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden Militärangehörige für im Kampf getötete Rebellen mit Sonderprämien oder Urlaubstagen belohnt, so belegen es zumindest Dokumente, die unlängst in die Hände von Friedensaktivisten gelangten.

Diese Praxis führte in der Vergangenheit immer wieder zu vermeintlichen Erfolgen der Armee, die unschuldige Zivilisten hinrichtete, um die ausgelobten Prämien zu erhalten. Auf dem Höhepunkt des Skandals der sogenannten "Falsos Positivos", der gefälschten Beweise, mussten im vergangenen Jahr ranghohe Militärs ihren Hut nehmen. Der Fall der 17 beschuldigten Soldaten avancierte in den kolumbianischen Medien nun zum stellvertretenden Beispiel für die Praxis der außergerichtlichen Hinrichtungen der kolumbianischen Armee. Es ist bei Weitem nicht der einzige Fall und er kratzt gewaltig an dem von Regierungsstellen so gerne zur Schau gestellten Heldenbild der Armee.

Im Falle der entlassenen Militärs musste das zuständige Gericht nach eigenen Angaben so entscheiden, nachdem die zulässige Höchstdauer für die Untersuchungshaft abgelaufen war, ohne dass die Staatsanwaltschaft es schaffte, einen Verhandlungstermin festzulegen. Eine Ohrfeige für die Angehörigen der Opfer. Sogar Staatspräsident Alvaro Uribe hatte sich am Montag persönlich eingeschaltet und ließ seinen Sprecher verkünden, man respektiere selbstverständlich die Unabhängigkeit der Justiz, aber dieses Urteil sei so nicht hinzunehmen. Verteidigungsminister Gabriel Silva und der Oberbefehlshaber der Armee, General Freddy Padilla de León, ahnten wohl schon am Wochenende, wie groß die Entrüstung im Land sein würde, und beorderten die Verdächtigen in einer Art Schutzhaft in eine Kaserne. In der Öffentlichkeit sollten sie jedenfalls nicht mehr auftauchen.

Die Angehörigen der Opfer waren entsetzt: "Ich bin sehr überrascht", sagte Luz Edilia Palacio der Tageszeitung El Espectador nach Bekanntwerden der richterlichen Anordnung. Die Mutter eines der ermordeten jungen Männer kündigte an, den Kampf für Gerechtigkeit nicht aufzugeben: "Wir sind traurig, aber noch nicht besiegt."

Es habe bereits in der Vergangenheit zahlreiche Versuche gegeben, die Angehörigen der Opfer daran zu hindern, an der Aufarbeitung das Skandals teilzuhaben. Bei einer Anhörung der beschuldigten Soldaten seien die Mütter abgewiesen worden. Das Vertrauen in die staatlichen Institutionen und in die Armee habe sie inzwischen verloren: "Ich vertraue dem Präsidenten nicht und ich vertraue der Armee nicht, weil ich bislang nicht den Willen gesehen habe, das Verbrechen zu bestrafen."

Versprechungen der staatlichen Hilfsorganisation "Acción Social", den betroffenen Familien zu helfen, seien bislang nur leere Ankündigungen geblieben. Die Familien der Opfer hätten bis heute weder finanzielle noch psychologische Hilfen seitens staatlicher Stellen erhalten, zudem seien ihre Anwälte den Juristen des staatlichen Apparats unterlegen. Trotzdem wollen die Mütter von Soacha nicht aufgeben: "Eines Tages wird die ganze Wahrheit ans Licht kommen."

Next >

Miro International Pty Ltd. © 2000 - 2004 All rights reserved.
Mambo is Free Software released under the GNU/GPL License.